Medizinische Gase und Vakuum

Die Verwendung von Kupferleitungen in zentralen medizinischen und technischen Gasversorgungsanlagen in Krankenhäusern oder Kliniken ist die Regel. Kupfer erfüllt in besonderem Maße die hohen Ansprüche, die an Werkstoffe in diesem Einsatzbereich gestellt werden. Die bakteriostatischen Eigenschaften des Kupfers in Verbindung mit der rationellen und bewährten Installationstechnik begründen den bevorzugten Einsatz.

Der Einsatz von Kupfer in medizinischen Versorgungseinheiten wird durch das technische Regelwerk DIN EN ISO 7396 (Rohrleitungssysteme für medizinische Gase) empfohlen.

 

Verwendete Bauteile

In Anlagen zur Verteilung von Gasen für medizinische Zwecke, zur Verteilung von Druckluft zum Antrieb von chirurgischen Instrumenten und für Vakuumleitungen sind Kupferrohre nach DIN EN 13348 einzusetzen. Die Betriebsdrücke bewegen sich hier in Bereichen von bis zu 2 MPa (20 bar).

Als Fittings sind in diesen Anlagen Kapillarlötfittings nach DIN EN 1254-1, -4 und -5 zu verwenden. Fittings dieser Normen werden ab Werk mit einer Beschaffenheit der Innenoberfläche geliefert, die den Anforderungen an medizinische Gasversorgungsanlagen und Vakuumleitungen entsprechen. Dies gilt allerdings nur für den Fall, dass die Fittings in der Originalverpackung verbleiben. Nach Öffnung des Originalverschlussbeutels liegt die Verantwortung für die erforderliche Reinheit der Innenoberflächen beim Verarbeiter.

 

Verbindungstechnik

Für Rohrleitungen aus Kupfer in medizinischen Gasversorgungsanlagen und für Vakuumleitungen in medizinischen Anlagen ist nach DIN EN ISO 7396 als Verbindungstechnik derzeit nur das Hartlöten oder Schweißen unter Schutzgas aufgeführt. Durch Verbinden unter Schutzgas wird eine Zunderbildung auf der Innenoberfläche der Rohrverbindung verhindert. Ansonsten könnten Zunderpartikel zu Störungen in den angeschlossenen Armaturen und Geräten führen (s. Bild unten)

Üblicherweise werden phosphorhaltigen Lote nach DIN EN ISO 17672 zum Hartlöten ohne Flussmittel verwendet. Wenn der Einsatz von Flussmitteln für den Lötvorgang nicht vermeidbar ist - z.B. wenn Fittings aus Messing oder Rotguss gelötet werden oder wenn hoch silberhaltige Lote verarbeitet werden - dann ist dafür Sorge zu tragen, dass kein Flussmittel in das Rohrinnere gelangt. Für den vorab skizzierten, notwendigen Einsatz sind Flussmittel nach EN 1045 vom Typ FH10 einzusetzen.

 

Allgemeine Hinweise

Bei sorgfältig verlegten und unter Schutzgas verbundenen Kupferrohren ist eine Reinigung der fertigen Rohrleitung mit Flüssigkeiten weder erforderlich, noch zu empfehlen. Reinigungsflüssigkeiten hinterlassen Rückstände, welche dann erneut die Sauberkeit der Rohrinnenoberflächen in Frage stellen können.

Da jedoch bei der Montage das Eindringen von Verunreinigungen (trockene Partikel) oftmals nicht verhindert werden kann, muss die Leitung vor der Montage der Entnahmearmaturen mit medizinischer Druckluft (Definition ISO 7396) ausgeblasen werden. Ebenso geeignet ist Stickstoff aus Druckflaschen. Es empfiehlt sich, das Ausblasen mit der notwendigen Gasarten-Kontrolle zu verbinden. Mit dieser Kontrolle wird geprüft, ob an der Entnahmestelle das vorgesehene Gas in der vorgeschriebenen Reinheit austritt. Durch den Gasartentest wird zudem sichergestellt, dass an jeder einzelnen Gasentnahmestelle das jeweils spezifische Gas austritt, also keine falschen Rohrverbindungen vorliegen.

Ein Verfahren, um nachträglich Kupferrohre entfetten zu können, ist auf der Baustelle unter Einhaltung der einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften nicht praktikabel (Chemikalieneinsatz!). Vielmehr erscheint es sinnvoll, sich bei Rohr- und Fittingsherstellern über die verfügbaren Qualitäten zu erkundigen. Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass eine ungeprüfte Auswahl aufgrund bestehender Gewohnheit und Ungenauigkeiten bei der Bestellung sich nur mit hohem Aufwand nachträglich korrigieren lassen. Daher spielt der Bestellvorgang in solchen Fällen eine zentrale Rolle. Es empfiehlt sich, bereits bei der Bestellung den Verwendungszweck (Rohre für Medizinal- oder Reinstgase) anzugeben. Es sind weiterhin nur solche Kapillarlötfittings einzusetzen, bei denen das RAL-Gütezeichen der Gütegemeinschaft Kupferrohr e.V. dauerhaft aufgebracht ist.

Die im Lieferzustand metallisch blanken Rohrleitungen müssen nach der Installation in medizinischen Gasversorgungsanlagen dauerhaft mit der Bezeichnung der Gasart und/oder dem zugehörigen Symbol beschriftet werden. Weitere Hinweise sind der DIN EN ISO 7396 zu entnehmen.

Vakuumleitungen werden teilweise ohne Absperrung, aber stets mit Gefälle zur Vakuumpumpe verlegt. Um Druckverluste gering zu halten, sollte der Umfang des gesamten Vakuumrohrnetzes möglichst klein gehalten werden. Verbindungen und Abzweige sind auch hier mit Fittings nach DIN EN 1254-1, -4 oder -5 herzustellen.

Je nach Rohrdurchmesser sind in DIN EN ISO 7396 Befestigungsabstände für medizinische Gasversorgungsanlagen festgelegt:

Rohraussendurchmesser( mm )                      max. Befestigungsabstand (m)
bis 15                                                                                       1,5
22 bis 28                                                                                  2,0
35 bis 54                                                                                  2,5
> 54                                                                                          3,0

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